Lebenspraxis III

Lebenspraxis III

Meditation, die Königsdisziplin
Jeden Tag sich hinsetzen, nichts tun, nichts denken und in vollkommener Gelassenheit alles ausblenden was an Welt um uns herum ist, das geht am besten vor dem Fernseher.
Meditation hingegen bedeutet richtig viel tun: hinsetzen stillhalten, konzentrieren. Nichts denken? Bullshit. Sie sind alle da, die Gedanken, die unablässig als Hintergrund-Geräusch-Kulisse mein Leben begleiten. In der Meditation beobachte ich die Gedanken, wie sie kommen und gehen, beobachte die Empfindungen, wie sie kommen und gehen und beobachte den, der Beobachtet wie er beobachtet. Das ist schwierig. So schwierig, dass es Übung braucht. Deshalb Praxis, deshalb immer wieder hinsetzen und wiederholen. Was sich dann einstellt, ist ein Zustand von bewusster Gelassenheit. Aber wozu? Für einen Moment von Zufriedenheit? Nein. Das wirklich revolutionäre an Meditation ist, dass durch sie eine Lücke in meiner Perspektive auf die Welt öffnet. Ein Freiraum in den wirklich Neues in meinem Bewusstein einfließen kann – über das Gewordene hinaus. Manchmal passiert so etwas ja auch von selbst, durch ein Gespräch oder eine aufrüttelndes Ereignis. Aber wie im Leben kann man auf interessanten Besuch warten, oder ihn einladen. Jeden Tag ein paar Minuten hinsetzen, still sein, Neues einladen der Lücke Raum geben, bezeichne ich als die Königsdisziplin meiner Lebenspraxis.

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