Archive Februar 2019

Lebenspraxis IV

Mein Körper
Am Mogen, wenn ich die Augen öffne, sehe ich zuerst eine Helligkeit, dann erkenne ich den Raum in dem ich geschlafen habe. Manchmal ist das eine Überraschung. Dann braucht es etwas Orientierung, um zu rekonstruieren wo ich bin. Dass ich ich bin scheint mir selbstverständlich. Ich schaue mit einer sehr gewohnten Perspektive aus meinen Augen und dann arrangiere ich mich mit einem Körper, den ich gut kenne und der meist noch liegen bleiben möchte. Dieser Körper wird mich dann durch den Tag tragen. Mein Wille steuert die Bewegungen, meistens automatisch, manchmal bewusst. Mein Körper kann auch streiken. Plötlich ein Schmerz im Rücken oder im Arm und meine Vorhaben werden ausgebremst. Wenn ich etwas bewegen will, brauche ich diesen Körper. Er trägt meine Sinne, durch ihn werde ich wirksam. Aber pflege ich auch dieses wundervolle, geheimnisvolle und faszinierende Instrument?
Nahrung, Schlaf, Wärme, Licht und Bewegung. Alles bedeutend. Wenn ich nicht wüsste, wie gut es mir tut, würde ich mich nicht jeden Tag aufraffen. Meine tägliche Praxis für den Körper: Etwas Yoga, etwas Krafttraining, etwas Tanz (selten alles an einem Tag). Das lässt meinen Körper lebendig bleiben. Vor 10 Jahren habe ich begonnen mich intensiver zu bewegen und ich wage zu behaupten, dass ich heute, mit 52, fitter bin als mit 32.
Fit sein ist für mich eine gute Vorraussetzung für all die Dinge die ich noch erleben und bewegen möchte. Hast du noch etwas vor? Und wie pflegst du dein kostbares Instrument, deinen Körper?

Lebenspraxis III

Meditation, die Königsdisziplin
Jeden Tag sich hinsetzen, nichts tun, nichts denken und in vollkommener Gelassenheit alles ausblenden was an Welt um uns herum ist, das geht am besten vor dem Fernseher.
Meditation hingegen bedeutet richtig viel tun: hinsetzen stillhalten, konzentrieren. Nichts denken? Bullshit. Sie sind alle da, die Gedanken, die unablässig als Hintergrund-Geräusch-Kulisse mein Leben begleiten. In der Meditation beobachte ich die Gedanken, wie sie kommen und gehen, beobachte die Empfindungen, wie sie kommen und gehen und beobachte den, der Beobachtet wie er beobachtet. Das ist schwierig. So schwierig, dass es Übung braucht. Deshalb Praxis, deshalb immer wieder hinsetzen und wiederholen. Was sich dann einstellt, ist ein Zustand von bewusster Gelassenheit. Aber wozu? Für einen Moment von Zufriedenheit? Nein. Das wirklich revolutionäre an Meditation ist, dass durch sie eine Lücke in meiner Perspektive auf die Welt öffnet. Ein Freiraum in den wirklich Neues in meinem Bewusstein einfließen kann – über das Gewordene hinaus. Manchmal passiert so etwas ja auch von selbst, durch ein Gespräch oder eine aufrüttelndes Ereignis. Aber wie im Leben kann man auf interessanten Besuch warten, oder ihn einladen. Jeden Tag ein paar Minuten hinsetzen, still sein, Neues einladen der Lücke Raum geben, bezeichne ich als die Königsdisziplin meiner Lebenspraxis.

Lebenspraxis II

Wer einen Hund zu versorgen hat wird regelmäßig mit ihm spazieren gehen und wird dabei sich selbst an die Leine nehmen. Klar erfordet es Überwindung morgens Gassi zu gehen aber mit der Morgensonne oder einem frischen Wind im Gesicht verändert sich schnell die Gemütslage. Bei uns auf dem Hof versorgen wir Pferde, Hunde, Hühner, Rinder und Katzen. Jeden Tag richten wir uns darauf aus, diese heilige Handlungen für unsere Tiere zu tun. Für die meisten Gäste ist es erst mal eine Herausforderung in die Pferde-Herden zu treten, zu füttern oder auszumisten. Wer regelmäßig kommt oder länger bleibt, lernt es zu schätzen.
Mit einer Lebens-Praxis ist das nicht anders. Auch wer keine Tiere versorgt kann sich verpflichten regelmäßig etwas zu tun. Was ist sinnvoller als deine eigene Befindlichkeit? Welchen Sinn möchtest du in deinem Leben mehr etablieren? Ist es deine Gesundheit, mehr Bewusstsein im Alltag oder mehr Mitgefühl für die Menschen um dich herum?

Lebenspraxis I

Bei uns in der Gemeinschaft gibt es Lebens-Praxis.
Aber wozu jeden Tag diszipliniert an einer Sache üben?
Seien wir ehrlich: Das meiste das wir Tag für Tag tun sind Wiederholungen. Das ist an sich verständlich. Gute Gewohnheiten sind eine wunderbare Sache. Sie geben Sicherheit, vereinfachen die Herausforderungen des Alltags, formen unseren Charakter. Auf eingefahrenen Gleisen rollt es sich bequem – allerdings nur noch auf den vorgegebenen Strecken. Wäre da nicht das 11. Gebot: „Du sollst Gott nicht langweilen“. Wer sich mehr, Adrenalin Endorphin oder oder Serotonin in seinem Leben wünscht wird neue Wege wagen müssen. Ein Sprung am Bungie Seil bleibt ein schneller Kick wird aber unsere Gewohnheiten nicht nachhaltig verändern. Weniger aufwendig, aber wesentlich effektiver ist es, sich täglich für eine bestimmte Zeit mit Neuem zu beschäftigen und eine neue Fähigkeit zu erüben. Ob Körperübungen, ein neues Musik Instrument, Tanz oder eine Achtsamkeits-Übung, sofern regelmäßig praktiziert, wird es dich umformen, weiten, interessanter machen.
Eine Praxis kann zu einer fabelhaften Gewohnheit werden die jung hält und zu mehr Freude im Leben führt.
Hast du eine Praxis? Was hält dich noch davon ab?